Dozo heißt "Bitte" wenn man etwas offeriert, wie z.b. "der Nächste bitte!" an der Kasse. Und das gehört zu den wenigen Malen, bei denen die kleinen Zero-Flieger mit erhobener Stimme auf charmante Weise und mit stets freundlich über der Atemmaske lächelnden Augen aus sich herausgehen.

"Dozoo!!" nun für ein allerletztes Mal, an Tag 89 des Aufenthalts in Japan. Den 90. Tag wäre ich gerne auch noch geblieben, aber 1 kleiner Sicherheitstag zwecks Taifungefahr etc. schien mir ein willkommener Puffer, um die 90-Tage-Frist nicht zu überschreiten.

Aber für 1 kleines Fazit nehme ich mir noch die Zeit und das lautet klipp und klar: hier düs' ich nochmal her! Nicht nur, weil es noch so viel mehr zu sehen gibt - auch weil das Reisen und die Menschen, der respektvolle Umgang miteinander etc. so viel mehr aus der investierten Zeit macht, als einfach NUR Urlaub.

Es ist einfach geil hier! (Falls ich das noch nicht erwähnt hatte)


Und auch Tokyo hat mich nochmals, nach mittlerweile 1 Monat, voll abgeholt. (1 Monat schon wieder rum! Zum Mäuse melken ist das. Verdammt.)

Gewohnheitsmuster haben sich trotzdem eingeprägt: Taiyaki reinschaufeln und diese köstlichen Mont Blanc-Desserts vernichten - hallo Fettigkeit :D aber egal. YOLO!

Die populären Stadtteile habe ich nochmals besucht, um einen "abgeklärteren" Zweiteindruck zu bekommen. Für den nächsten Besuch werde ich aber der japanischen Sprache mächtig sein, um die ansässigen Dudes mal fragen zu können, warum sie sich von mir Weißbrot in der Öffentlichkeit so leicht abgewandt zeigen. Ein paar offenere Gemüter zeigten die Jüngeren, die mal auf mich zugekommen sind und mit mir getalked haben. Die sind glaube alle recht zurückhaltend, passend zu meinem schüchternen Wesen. An meinem Körpergeruch lag es sichi nicht, habe mich immer gewaschen!

Sauberkeit und Reinheit wird hier auch groß geschrieben, überall steht Desinfektionsmittel bereit, zu jeder Mahlzeit bekommt man ein Feuchttuch zum Hände reinigen, Schaublätter wie man sich die Hände zu waschen hat hängen auch überall - nur keiner hält sich daran. :D Pfui Deibel... ehrlich... wenn nach dem Toilettengang mal einer das Wasser kurz angestellt hat, dann nur, um die Frisur zu richten. Vom Seife kaum zu sprechen. Ich verstehe es nicht :D In den öffentlichen Bädern sind die Nackedeis dann wiederum überreinlich... Andere Länder, andere Sitten.


Dafür sind alle Einrichtungen vom "00" bis zu den Zügen und der letzten Ecke in den Parks blitzblank und wird von jedem behandelt, als sei es die eigene Einrichtung. Keiner nimmt die Füße auf den Sitz, keiner schmeißt Müll irgendwo hin... sagenhaft!

Ausnahmen waren (wenn auch nur wenige) Touristen. Da kann ich eine gewisse Missgunst der Japaner diesen gegenüber gut verstehen. Mich haben die nämlich auch genervt. Ich habe zumindest stets versucht, das Richtige (oder zumindest nichts Falsches) zu tun und maximalen Anstand walten zu lassen und den Japanern einfach nicht auf den Keks zu gehen.


Fairerweise muss ich auch sagen, dass Japaner ganz schöne Traumtänzer sein können. Im Weg stehen und Unumsichtigkeit ist eine ihrer Stärken. Beim Gehen mal nicht aufs Handy, sondern nach links oder rechts gucken können sie einfach nicht. Und einige machen es sich zur Challenge, Touristen gezielt in den Weg zu stellen... vielleicht als kleine Retourkutsche quasi ;) Ein paar Nachtjacken sind das manchmal.

Ich hatte jetzt noch ein paar kleine Dinge aufgeschrieben, die aufs Testurteil gehören müssten. Da ich just in diesem Moment aber schon den zweiten Tag im Reich der Mitte(lmäßigkeit) erleben durfte, habe ich die Liste der Unannehmlichkeiten etwas eingekürzt - es würde dem Fazit 1fach nicht gerecht werden. Ich war zu verwöhnt.

Hervorheben kann'er aber. Z.b. den uneingeschränkten Respekt, den die Japaner jedem Menschen gegenüber zeigen.

Als ich in 1 Aufzug war und 4 halbstarke Jüngere zugestiegen sind, überließ mir einer der Bande beim Aussteigen den Vortritt und deutete zur Tür. Einer der anderen sah das nicht und machte aus Versehen schon einen kleinen Schritt zur Tür, bevor ich herausging.

Daraufhin hielt ihn der Andere sofort durch T-Shirt-Zuuppeln zurück und der Gehende stoppte, bemerkte seinen "Fehler", hielt beide Hände flach zusammengepresst vor sein Gesicht und hörte fast gar nicht mehr auf, sich immer wieder entschuldigend zu verbeugen. Huiuiui, das war eine der extremsten Reaktionen, die ich für so etwas Unbedeutendes erlebt habe.

An sich tolle Mentalität! Damit gibt es hier praktisch keine Kriminalität. Polizei sieht man fast seltener als Braunbären auf Hokkaido und die verschwinden für gewöhnlich auch wieder so schnell.

Nur an meinem letzten Abend erspähte eine 3er-Patrouille meine freudig-touristische Anwesenheit und dachte sich offenbar "guck da, prima Kandidat für 'ne Passkontrolle!" -.-

In Japan gilt Passpflicht für Touris. Aber ein Eingreifen der japanischen Polizei bei 1 so nicen Dude wie mir unter soooo vielen Leuten hielt ich für 1 riesen Mythos. Naja... hab ich auf den letzten Metern doch noch was verschusselt, denn den Pass hatte ich nicht dabei :D

Den Perso haben sie gemustert, das reichte aber nicht. Vom Pass hatte ich sie mit 1 Foto besänftigen können, nur für das Foto vom Einreisestempel suchte ich mir beim Scrollen durch die Fotos die Finger wund. Nach einiger Zeit und anschließender Leibesdurchsuchung haben sie die Augen aber zugedrückt (oder reißt man sie hier auf? :D) und ein Tag im Knast blieb mir erspart. Das wäre wohl eine übertriebene Reaktion, aber durchaus möglicher Handlungsspielraum der Cops. Das wär's noch... am Vortag der Ausreise im Gitterstab-Hostel logieren.

Aber waren ja nice Cops. Und ich bin ja nicer Dude. Alles nice.


Joa.... das so als kleiner Abriss zum Ende dieses TOP-Aufenthalts. Wie gesagt, mit der Macht der japanischen Sprache wäre weitaus mehr herauszuholen gewesen und die Erfahrung um viele positivere Erlebnisse reicher. Und trotzdem bin ich mega zufrieden mit dem, wie es gelaufen und gekommen ist. Und während ich die Fotos nochmals durchgehe, macht sich schon 1 bisschen Sehnsucht breit. :D

Hab' ich Bock, direkt nochmal nach Hokkaido zu düsen und erneut durchs Land zu ziehen, auch weil die Temperaturen jetzt langsam zulassen, aktiver durchs Gestrüpp huschen zu können. Hach! Das ist einfach geil! Und ich habe wirklich überlegt, das so umzusetzen, aber dann würde ich mir den Einblick in meine verbleibenden Wunsch-Besichtigungsländer verbauen.

Also stelle diesmal ich mich gedanklich den Japanern als Retour-Retourkutsche in den Weg, damit sie mich sehen und verabschiede sie bis zum Frühling/Herbst/Winter einen nach dem anderen mit: Dozo! Dozo! Dozo! Dozo!... :)


Und der nächste Schritt ist bereits gemacht. Im Rahmen des visafreien, 15-tägigen Aufenthaltsangebotes, China bereisen zu dürfen, schreibe ich gerade diese Zeilen aus einem kleinen Cafe unweit der verbotenen Stadt in Beijing! Ni hao.