Die Ortschaften Furano, Kamifurano und Biei, die sich im Zentrum Hokkaidos befinden, sind bekannt für ihre Blumen- und Lavendelfelder. Diese stehen jetzt aber erst am Beginn der Blüte. In 2-3 Wochen wird es hier sicher richtig bunt. Von Biei aus bin ich zum Tokachidake-Vulkan hochgestiegen, wobei mein eigentliches Ziel der Mt Furano war. Leider wurden mir am Bahnhof "individuellere" Abfahrtszeiten genannt, sodass ich kurzfristig umplanen durfte und zum vorgenannten Vulkan stiefelte. War auch sehr schön.


Nach Vulkan und Blumen konnte ich mich auf noch mehr Natur freuen:

Auf zum UNESCO Weltnaturerbe von Hokkaido, den Shiretoko Nationalpark! Früh im kleinen Vorort Shari angekommen und fix im 15 Minütchen entfernten Hostel mein Zeug abgeworfen, nahm ich den erst möglichen Bus in den Nationalpark. Der entfernteste Ausgangspunkt, der mit dem Bus erreichbar ist, sind die 5 Lakes. Dort wird man über einen Holzsteg, der mit Strom gesichert ist, ins Bärenterritorium geführt und kann mit etwas Glück einen Hokkaido-Braunbären sehen.

Wer die Seen am Boden erkunden und den Nervenkitzel, auf einen Bären zu stoßen, spüren will, der kann die 3 km Strecke mit einem Guide bewerkstelligen. Alleine darf man an den Seen nicht auf die Pirsch gehen.

In einer kleinen Gruppe hat uns Guidin Rei-san mit Bravour durch die tolle Landschaft geleitet und teils zeigten sich zwischen den überwiegend ansässigen und tiefhängenden Wolken auch die Gipfel der Bergkette um den Mt. Rasu.

Nur Bären gab es leider keine zu sehen. Wäre schon cool gewesen. Zwei mal muss ein Bär in der Nähe gewesen sein. Die Duftmarke hing jedenfalls an 2 Stellen sehr markant in der Luft. Allerdings sind die Bären auch nicht sehr erpicht darauf, Menschen zu sehen und so verstecken die sich regungslos im Dickicht, wenn sie Geräusche hören.

Rei-san machte sich alle ca. 50 m durch lautes Klatschen und kurze HAI!! HAI!!-Rufe bemerkbar. Alternativ kann man auch ein Glöckchen am Rucksack anbringen, sodass einen der Bär immerzu mühelos hören kann und sich nicht erschreckt, wenn 1 Mensch plötzlich vor ihm steht.


Apropos Erschrecken...

Am zweiten Tag bin ich noch einmal in den Nationalpark, diesmal ans vorgelagerte Nature Center, von wo aus ein kurzer Wanderweg zu einem Wasserfall führt und der "Pionierweg" ein 2 stündiges Wandererlebnis durch das einsame Nationalparkflair bietet. Am Wasserfall-Weg waren viele Touristen unterwegs und es sprangen ein paar Bambis herum und futterten sich fett. Und wo Bambis sind, sind keine Bären.

Auf dem "Pionierweg" war ich ganz alleine. Fast schon beängstigende Ruhe. Nur ein Uhu war zu hören und mein professionelles Bären-Warn-Geklatsche alle paar Meter da ich kein Bärenglöckchen hatte. Doch auf einmal zuckte was im linken Augenwinkel! Ich stoppte auf leisester Sohle. Bewegungslos. Nur mein Puls nahm Fahrt auf :D

Kein Geräusch, kein Rascheln, keine Regung - auch nicht von dem Bären, der da 20 m von mir entfernt im Dickicht stand.

Ich war noch nie so kurz davor, den Gebrauch einer Windel in Erwägung zu ziehen. :D Junge!

Hab ich mich gefreut, einen Bären live zu sehen und irgendwie wurden die Knie aber auch weicher.

Vom gestrigen Schulungsvideo war ich bestens gebrieft und legte gaaaanz gemächlich und in Ruhe den Rückwärtsgang ein. War gar nicht so einfach, dabei noch ein Foto zu machen. Der Bär war zum Glück auch ganz gechillt...stiefelte erstmal ein paar Meter auf mich zu, sodass ich quasi nicht an Abstand gewann. Aber dann drehte er ab und ging seiner Wege.

Für solche Begegnungen wäre in Zukunft eine GoPro nicht schlecht. Die gleicht das Zittern der Hände besser aus :D


Bin schnurstracks zurück ins Nature Center und habe meine triumphale Sichtung gemeldet und 'nen coolen Sticker dafür bekommen. Yes!


Was'n Erlebnis... jetzt erstmal Käffchen und durchatmen.