Die vorerst letzte Fahrt im Bullettrain brachte mich in den südlichsten Shinkansenbahnhof in Kagoshima, womit ich folglich vom nördlichsten Bahnhof in Hakodate die gesamte Nord-Süd-Achse durchgepeitscht bin.

Von hier aus geht die Reise mittels Fähre auf die Insel Tanegashima, wäre da nicht Taifun Nr. 2. Der Fährbetrieb wurde zwar nicht eingestellt, aber Dank vorherrschender Wind- und Regenverhältnisse brauchte es nicht viel, um mich gegen die 4,5 stündige Überfahrt zu entscheiden.

Besuchsgrund für Tanegashima war das größte Space Center Japans. Da diese eh jegliche Besichtigungstouren bei schlechtem Wetter einstellen, war meine Entscheidung sicher gut vertretbar.


Taifun vorüber, ich im Flieger nach Okinawa, das sogenannte hawaiianische Japan. Und das scheint auch zu stimmen. Wetter hawaiianisch, Hemden hawaiianisch, Militärpräsenz hawaiianisch (amerikanisch). Pi mal Fadenkreuz die halbe Insel besteht aus Militäranlagen mit Flughäfen der Airforce und mein Hostel lag fast direkt vor der Startrampe. Und Junge, Junge, Junge... 'ne halbe Stunde dort am Ufer sitzen und man bekommt ein Mal das gesamte Arsenal der Airforce und Navy zu sehen. Die Kampfjets wellern von der Insel, als wär' Brunftzeit. Dabei vibriert die ganze Hood, wenn gleich 4 solcher Brummer mit Volllast nacheinander die Luft durchschneiden. Jegliche Art von Kampfhubschrauber patroulliert um die Insel, Fallschirmspringer trudeln gemächlich nach unten und eine bewaffnete Kampfdrohne gleitet in gewissenloser Leichtigkeit dem Sonnenuntergang entgegen. Toll.

Beim Einkaufen im Minimarkt werde ich auch für Militär gehalten. Hab schnell mit dem Kopf geschüttelt! Mein Englisch ist zum Glück auch nicht gut genug um als Ami durchzugehen. Mein Aussehen eigentlich auch nicht: Die sind alle aufgepumpt und tragen ausnahmslos alle einen Schnauzer, wie Colin Farrell in Miami Vice.

Und ich, ich seh' einfach nur gut aus ;)


Dann kam das, worauf ich schon lange hingefiebert habe: endlich wieder Tauchen! Und alter Schwede, ist das geil! Mega geil! Absolut klares Wasser mit Sichtweiten von locker 30 Meter. Die Wassertemperatur mit 31 Grad allerdings sehr warm - und das sah man an den Korallen, die zu großen Teilen schon die Hufe hochgemacht haben. Die Taifune, die bisher kursierten, haben allesamt Okinawa ausgelassen, so Andrea, meine Dive-instructorin. Die sind notwendig, um das Wasser zu kühlen und normalerweise kommt ab Juni/Juli alle 2-3 Wochen ein Taifun nach Okinawa. Dieses Jahr noch nicht einer. Die rasieren alle übers Festland, wie der letzte Richtung Tokyo und der jetzt im Moment wütende (Nr. 3), welcher im Verlauf der gesamten Woche auf der Südinsel Kyushu Welle macht.


Es ist zum Glück nur ein Teil der Korallen betroffen, viele sind auch noch erhalten und das Fischaufhebot ist einfach mega! Kleine Haie waren zu sehen, Meeresschildkröten, es gab eine Maniküre von Putzerkrabben... Echt, ich könnte Stuuunden da unten bleiben!... ich denke die Bilder sprechen für sich.

Morgen fliege ich nach Ishigaki. Dort treffe ich hoffentlich ein paar größere Fische und sitze den Taifun und seine Auswirkungen auf dem Festland noch etwas aus. Irgendwie muss ich zu guter Letzt nach Osaka oder Tokyo, um Japan pünktlich verlassen zu können. Hätte aber auch kein Problem damit, hier etwas länger "festzuhängen" :D Nicht für die Ewigkeit, so 1-2 Jahre würden schon reichen.

Aber gut... ein Taifun nach dem anderen.