"Are you irish? You look like an irishman." Das waren die ersten Worte, die ich auf der südkoreanischen Insel Jeju-do von einer buntgemischten Truppe von Iren zu hören bekam. :D Vermutlich ließ sie meine Blässe darauf schließen - ich wollte den wahren Grund nicht hinterfragen. Irgendein Fußballspiel steht jedenfalls an, sagten sie.
Ok, Wurscht. SIM-Karte und ÖPNV-Checkkarte à la Taiwan geholt und auf ins Hostel.
Hier ist mir Jeju wahrlich ans Herz gewachsen! Das erste Hostel, in dem mal etwas Gemeinschaftlichkeit aufkam, nachdem die reisenden Asiaten in Taiwan doch sehr verschlossen waren.
James aus Wales, der sich nach 4 Jahren in Neuseeland und 2 Jahren Australien nun mit einem kleinen Umweg über Asien zurück in die Heimat bewegt. Ladislaw aus der Slowakei, Chinesin Jiang, die einerseits gerne malt (wie auch das famose Hostel) und andererseits ihre Reise bloggt, Koreanerin Eunyoung zum verlängerten WE, 2 Koreaner, von denen einer Announcer werden möchte und umgehend mit einem "EA Sports - it's in the game" aufwartete. Wertung von: 7,58/10.
Und der Deutsche eben.
Allesamt sehr umgänglich, offen und zuvorkommend, wie man es sich besser nicht hätte wünschen können.
Ladislaw hatte an diesem Abend als einziger noch nichts gefoodet und überwand sich, in den nebenan befindlichen 7-eleven zu gehen, um dort etwas zu holen. Die Koreaner wollten mit uns Makgeolli trinken (quasi das Bier Südkoreas) und irgendwie brauchte dann jeder noch etwas. Also zu siebent den kleinen 7-eleven überrannt und wieder ins Hostel. Und so schnell konnten wir gar nicht gucken, da haben die Koreaner den ganzen Tisch voll mit koreanischen Snacks, Dumplings, Makgeolli und Soju (=Likör) und, und, und kredenzt! Mega!
Aus Schüsseln wird getrunken und es folgte "Djan, Prost, nasdarowje, lechyd-da!"
Jiang versuchte mit gebrochenem Englisch chinesische Saufspiele zu erklären. Bei jedem Sprachversuch, bei dem sie nicht weiterkam, fluchte sie kurz auf chinesisch vor sich her und tippte es doch in den Translator. :D Das ging fast die ganze Zeit so, herrlich. Die Koreaner erklärten uns manche Gepflogenheiten, manchmal verwässert durch Übersetzungen über 3 Ecken und zwischendurch ertönte "EA Sports - it's in the game!" :D und wieder hoch die Schüsseln. :D Geiler Abend, beste Hostelbesetzung.
Auch der Host, Peter, ist mega lässig und die Managerin Hanna musste loslachen, als ich ihr ein Foto aus dem nahegelegenen Restaurant zeigte, auf dem lauter Schüsseln zu sehen waren und ich überfordert fragte, was ich damit alles überhaupt tun muss :D Ne Suppe hab ich bestellt und da kommt mehr Geschirr als ich zu Hause im Schrank habe! :D
Hintergrund ist, dass sie und James zuvor auch im selben Restaurant aßen und er genauso planlos war. Bin also nicht der Einzige.^^
Jiang und Eunyoung haben ihr Hostel gewechselt und auch ich war drauf und dran, zur Südküste zu fahren - da luden mich die Mädels ein, zum Lunch mitzukommen. Wir ins Taxi, zu Jiangs neuem Hostel, Taschen dort abgeparkt und auf ins Vergnügen. Eunyoung war unser Guide und zeigte uns ein paar interessante Ecken und leckeres Food. Lunch gab es in einem kleinen familienbetriebenem Restaurant, in dem sich die Köchin neugierig erkundigte, wer wir sind und was wir machen. Eunyoung klärte sie auf und plötzlich legte sich über ihr ohnehin schon gastfreundliches Lächeln ein immer breiteres, als sie erfuhr, dass ich aus Deutschland sei.
Die von Deutschland nach dem Koreakrieg geleistete Unterstützung hat u.a. ihrer Familie sehr geholfen, wieder ein anständiges Leben zu führen. Daher freut sie sich sehr über jeden deutschen Touristen.
Es freut sich jemand über Deutsche! Wow.
Es gab verschiedene koreanische Suppen zum Durchprobieren und chinesische Schmunzeleien, wie wir alle die Essstäbchen unterschiedlich hielten, was von Jiang auch umgehend auf Video festgehalten und der chinesischen Welt des Internets offenbart wurde. :D
Danach liefen wir über den Markt, der orangener als die Niederlande ist. Auf Jeju dreht sich alles um die Orange, ein bisschen Fisch, ein bisschen Tee, aber hauptsächlich Orangen. Noch ein paar Snacks probiert, ein Käffchen und dann kam die Zeit, dass jeder seiner Wege geht. Erwähnt werden muss, dass Eunyoung ALLES bezahlt hat. Vom Taxi übers Mittag bis zum letzten Keks und das, nachdem die Koreaner schon am Vorabend den Großteil der Verpflegung gestellt haben. Unser Geld hat sie vehement abgelehnt. Mensch, doh!
In Seogwipo, südliche Küste, konnte ich bei 2 Tauchgängen den südkoreanischen Fischen unterwasser die Flosse reichen, während es teils so stark geregnet hat, dass sich unter dem Wasser von über dem Wasser kaum unterscheiden ließ. Wetsuit hat beides geregelt.
Aus 25 m Tiefe ging es in 1950 m Höhe, auf den höchsten Berg und Vulkan Südkoreas, den Hallasan. Und kaum ziehe ich in Erwägung, meinen ledierten Fuß zu loben, fängt er 2 Tage nach Bergbesteigung wieder etwas an, zu schwächeln.
Für den heutigen Tag war das nicht allzu tragisch, da mich ein flippiges Klapp-e-bike über die östlich gelegene Insel U-do chauffierte.
Zwischendurch, am Tag von Jiangs Abreise, traf ich sie nochmals und wir überbrückten die Zeit bis zum Flugzeugstart. Sie fragte mir Löcher in den Bauch und bereitete mich auf meinen etwaigen Besuch von Tibet und ggf. anderen Teilen Chinas vor...zeigte Bilder von tollen Landschaften, Festveranstaltungen, traditionellem Zeug und was es so Leckeres in China zu fooden gibt. Die snacken wirklich alles weg! Sie fragte, ob ich das Eine oder Andere schon mal gefoodet habe...irgendwelche Käfer, Schlangen, Unidentifizierbares und dann fragte sie ganz vorsichtig "You eat dogs?" :D
...ja...in China essen sie Hunde.
Ich glaube, nein - ich hoffe, das ist nur in irgendeiner Region eine Art Spezialität. Habe nicht nachgefragt. Wer isst schon Haustiere? Als nächstes erzählt mir noch jemand, dass es ein Land gibt, in dem man süße Meerschweinchen verputzt. 😅
Eine Woche bin ich nun schon auf der Insel und ich könnte locker noch eine Woche bleiben. Das liegt nicht zuletzt an dem mega Hostel, wo ich nicht nur beim 2. Aufenthalt wieder coole Leute traf, sondern mittlerweile auch mit der Belegschaft dicke war. Erinnerung an Argentinien 2019 :)
Und ab und zu trifft man auch mal nette Deutsche :)
Sie: "Du bist auch Deutscher?"
Ich: "Jup, woher kommst du?"
Sie: "Das sagt dir jetzt bestimmt nichts, aber das liegt in der Nähe von Leipzig. Halle an der Saale."
:D
So klein ist die Welt.